2008-04-17

Die Entäußerung des Selbst - Eine Beobachtung.

Heute halte ich mich fern. Ich habe beständig diese kleinen Sätze in meinem Kopf. Das Wahrnehmen in 140 Zeichen ist mir ein liebevoller Begleiter des Tages und der Nacht geworden. Doch heute behalte ich sie für mich. Allesamt. Ohne Unterscheidung. Und dabei habe ich eine interessante Beobachtung gemacht. Schreibe ich sie ins Netz, kann ich sie zwar jederzeit nachlesen, doch sie sind dann nicht mehr in mir. Roland Barthes hatte schon recht als er schrieb, dass ein Text eine eigenständige Entität - mit eigenen Dynamiken und Gesetzmäßigkeiten - wird, sobald sie die Hand des Verfassers verlassen hat. Aber vielleicht habe ich auch nur eine solche Wahrnehmung meiner eigenen Sätze, weil ich die Vorstellung im Raum herumhüpfender Texte witzig finde. Wer weiß das schon so genau. Heute jedenfalls trage ich die Sätze in mir. Sicher, ich vergesse die Worte genauso schnell wie sonst, wenn ich sie in die Öffentlichkeit geschrieben habe. Was bleibt, sind Emotionen, die nicht im Hin und Her zwischen Prokrastination und Arbeit untergehen. Das Wissen, etwas für mich behalten zu haben, besinnt mich auf mich selbst. Auf das, was wirklich, wirklich da ist.

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