2009-01-16

Der Einsatz von Sicherheitspersonal schafft sich seine Vorfälle selbst.

Vergangenen Sonntag in der M10. Am Frankfurter Tor stieg ich ein und setzte mich. Rechts standen zwei Herren von, ich glaube, securitas (die, die auch immer für die S-Bahn arbeiten), links auf einem Einzelplatz ein Mann Mitte Vierzig. Als ich mich setzte (die Straßenbahntüren waren noch offen), sprach der Mittvierziger zu einem anderen Mann im gegenüberliegenden Vierereck. Er sprach laut, schrie aber nicht. Er beugte sich ein wenig nach vorne, aber machte keine Anstalten, dem anderen Mann irgendwie zu nahe zu kommen. Sein Blick glitt zwischen Vierereck und Sicherheitspersonal hin und her. Ich ahnte: Da kommt was. Sicherheitsleute haben schließlich den Auftrag, alles in Schach zu halten, was nicht bei drei der Ruhe-hier-Mentalität entspricht.

Und es kam schneller als ich dachte. Die Türen schlossen sich und der Mittvierziger - den Augenkontakt mit den Sicherheitsleuten haltend - sprach in Richtung Vierereck sowas wie: Ja, jetzt wo die Türen zu sind, jetzt legen sie los. Das ließ sich Sicherheitsmensch Nr. 1 nicht zweimal sagen. "Hören Sie bitte auf, die anderen Fahrgäste zu belästigen." Das ging dann so ein bisschen hin und her. Es kam die unweigerliche Frage nach dem Fahrausweis. Diesen wollte der Mittvierziger nicht zeigen, da er sicher war, dass ihm der Fahrausweis weggenommen würde. Dann wieder ein bisschen hin und her und die Aufforderung der Mittvierziger solle doch bitte an der nächsten Haltestelle aussteigen. Der Mittvierziger weigerte sich erst (er hatte ja nichts getan), dann wollte er freiwillig gehen, dann weigerte er sich wieder. Am Bersarinplatz angekommen (er weigert sich gerade), nahmen ihn die beiden Herren von der Sicherheit unterm Arm und trugen/zogen/begleiteten ihn hinaus. Eigentlich schon draußen, zog der Mittvierziger aber dann noch die Notbremse. Der Straßenbahnfahrer wartete jetzt, bis die Polizei (eine Wanne!) da ist. Draußen wurde der Mittvierziger noch ein bisschen weiter laut und offenbar auch ausfällig lt. Polizeipressemeldung.

Ich habe keine Ahnung, was passiert ist, bevor ich eingestiegen bin. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass der Mittvierziger einfach nur ein bisschen vor sich hin und in Richtung eines anderen Fahrgastes loserzählt hat. Vielleicht ein bisschen Verschwörungstheorie. Vielleicht ein bisschen was über eingesetztes Sicherheitspersonal.
Losplappernde Menschen gibt es alle Nase lang in einer großen Stadt. Da passiert auch selten mehr. Irgendwann steigen alle aus und gut ist. Grundsätzlich ist so eine zeitlich begrenzte Gemeinschaft sehr gut in der Lage, Menschen auszuhalten, die der durchschnittlichen Mentalität von ins-Gespräch-kommen-dürfen nicht entspricht.

Beide Seiten haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Von Deeskalation auf Seiten der Sicherheitsleute war nicht viel zu merken. Aber auf dieser Seite muss sie ausgebildet sein und angewendet werden (meine Meinung, keine Ahnung, wie die BVG das sieht). Ich kann mir gut vorstellen, wären die beiden Sicherheitsleute an diesem Abend nicht in der Straßenbahn gewesen, es gäbe keine Polizeimeldung "Straßenbahnfahrgast wurde rabiat". Ich behaupte, außer Genervtsein wäre bei einigen Fahrgästen wohl nichts passiert.

Kommentare:

Matthias hat gesagt…

In Berlin wird nach meiner Erfahrung etwas häufiger losgebrabbelt als in anderen Städten. Dabei gibt es auch in Leipzig viele Kaputte.

miss sophie hat gesagt…

Da haste nich ganz unrecht - also mit dem Berlin-Teil, Leipzig kann ich nicht beurteilen :). Das funktioniert sicher nach dem Prinzip "je größer die Stadt...".