2006-12-31

Danke!

Sage ich und hoffe, alldiejenigen, die dies lesen, denken an die schönen Momente, die waren, sind und sein werden.

das kreuz mit den geschenken

Demnächst steht wieder der jährliche, persönliche Anlass zum Feiern ins Haus. Ebenso alljährlich die gute, alte Frage dazu: "Was wünschst du dir denn?"

In den meisten Fällen ein Moment des Horrors. Der Panik. Des leergefegten Gehirns. Stimmbänder, die nur noch ein "Äh...Hm...Ja, weiß grad nich...ööö...nee, keine Ahnung" zu Stande bringen. Zugegeben, da tut sich einiges in den Hirnwindungen. Doch wer will schon einer ernsthaft gestellten Frage ein "Also ich such da schon seit Jahren so´ne flaschengrüne Trainingsjacke, die aber first hand um die 60 tacken kostet/ meine Mum hat sich grad´n schickes Notebook gekauft.../ ich bräuchte eigentlich mal ne richtige Hi-Fi-Anlage, so mit Verstärker und allem Drum und Dran/ ..." an die Menschen im Freundeskreis geben? Im Nachhinein fallen einem dann viele tausend Kleinigkeiten ein, die sich auch die lieben Menschen mit standardmäßig klammem Geldbeutel leisten könnten, doch dann ist der Moment der Frage schon vorbei und von selbst wieder ankommen... nee, nee, viel zu gut erzogen dafür.

Letztens antwortete ich also wieder mit "ööö" und entgegnete hilfebietend, ich sollte mir vielleicht auch mal so´ne Amazon-Wunschliste anlegen. Im Geiste ging ich sofort mögliche Titel hierfür durch und dann auch erstmal schlafen. Am nächsten Tag dann wollte die interne Liste nicht so recht wachsen und bald auch wurde mir klar warum.
Als die ersten Freunde mit diesen Listen ankamen, war das natürlich eine große Hilfe, doch blieb der Beigeschmack erhalten, dass eine Überraschung - die einem Geschenk ja irgendwie innewohnt - damit nicht mehr so ungetrübt mitgeschenkt werden kann. Ein Geschenk ist immer auch an die Person des Schenkenden gebunden. Die Momente, aus denen die Idee heraus geboren ist, finden hierin eine Verdinglichung und sind ein meist langewährendes Souvenir. Ohne einen solchen Moment wäre ich vermutlich nur sehr unspektakulär zu meinem ersten eigenen Plattenspieler gekommen. Manchmal bringt ein Jahr ganze textil-kulturelle Moden mit sich und beschert drei Paar Ringel-Zehen-Socken auf einmal. Auf den immer wieder geäußerten Satz "das musst du unbedingt mal..." reagiere ich gewohnt rebellisch mit einem "hm...na ja, guck´n wa ma". Doch wenn mir ein Freund ein Buch überreicht mit den Worten "dies war eine Offenbarung für mich", dann kann ich nicht anders, als dieses Buch mit Freuden und ohne innere Zögerung zu lesen.

Dies wird mich auch in Zukunft davon abhalten, eine Wunschliste zu erstellen. Nur meine Mama, die darf auch weiterhin jedes Jahr fragen :-).

das jahresende

2 lange, lange Wochen sind vorbei und mit ihnen auch gleich das ganze Jahr. So kann´s manchmal gehen.

Gehen ist auch gleich das richtige Stichwort. Davon hatte ich heute gaaanz viel. Drei Freunde haben ihren jahresendzeitlichen Spaziergang rund um den Müggelsee und inmitten des Berliner Stadtforstes mit dem heutigen Tage zur Tradition erhoben. Und ich war dabei, mittendrin sogar. Echtes April-Wetter mit Sonnen- und Regenschein. Echt nasse Füße, da wir als gute Stadtkinder natürlich alle nur kaputte Schuhe anhatten. Einzig unsere wandererfahrene Reiseleiterin war mit festem UND heilem Schuhwerk dabei. Dazwischen aber ganz viel frische Luft (komische Erfahrung das) und Wald und See. Unterwegs gab´s Kuchen aus der Tupperdose und Glühwein aus der Thermoskanne. Als wir dann alle durchgeforeren am anderen Ende des Forstes wieder so etwas wie feste Straßen und Häuser zu Gesicht bekamen, hieß es ebenso traditionell: Kaffee trinken im einzigen Lokal, das am 31.12. in Ludwigshöhe geöffnet hat.

Nach all den Weihnachtsfeiern (6 in 5 aufeinanderfolgenden Tagen, 1 davon geschwänzt) und nach dem vielen Essen ist dies ein ganz wundervoller, beruhigender Moment gewesen.

2006-12-29

die eroberung der massenuni

Ebenso wie der Herr Grau war auch ich dieser Tage in unserem kleinen Dorf im Dorf.  

Nach 58 Jahren zählt die FU mittlerweile offizielle 35.500 Studierende und gefühlte 50% davon halten sich häufig im architektonischen Prachtbau Rost- und Silberlaube (von der Verwaltung und Haustechnik auch liebevoll RoSiLa genannt) auf. 

Nicht so zwischen den Jahren. Auch ich machte die leidvolle Erfahrung, 
dass ich den dringend benötigten Kaffee besser zu Hause getrunken hätte. 
Mensa  dicht, alle Cafés dicht. Alles doof. Und wo gibt´s eingentlich diese
Automaten, Herr Grau?

Wesentlich angenehmer hingegen war die Erfahrung der Stille, der ich beiwohnen durfte. Bislang dachte ich, in den Wintersemesterferien sei es halbwegs ruhig in den roten und blauen Gängen, doch weit gefehlt. Während der 3 Stunden, die ich mich dort aufhielt und sämtliche Gänge im Zuge meiner Erledigungen abschritt, begegnete ich im Ganzen vielleicht 15 Menschen, inkl. Besuch in der Bibliothek mit vollbrachtem 
Ausleihvorgang. Soviele wie tags zuvor in dem Café weilten, in dem ich 
mehrere Stunden meine freien Stunden genoss.

In diesem Moment dämmerte es mir, dass diese Räume mir gehörten. Kein Promostand, dem es mit grimmiger Miene auszuweichen gilt (kann eigentlich mal endlich eines dieser Promowürstchen versuchen, mir trotz erster Ablehnung das Produkt anzudrehen, damit ich endlich den Satz in die Welt rufen kann, dies sei eine Uni, kein Kaufhaus, und wenn ich mir was andrehen lassen will, lade ich mir einen Staubsaugervertreter nach Hause ein...). Keine Grüppchen rücksichtsloser junger Menschen, die die gesamte Breite eines Weges für sich einnehmen.

Einfach nur Stille. Und der erste Schnee dieses Winters.

2006-12-21

"Unser Arbeitsplatz soll schöner werden"!!!

Unter diesem Titel gibt es einen Artikel im Blog von work-innovation, als süßen kleinen Beitrag zur Verschönerung desjenigen Umfeldes, welches viele von uns viele Stunden am Tag begleitet.

Das Ganze beginnt mit der rezeptionsästhetisch affirmativ-wirkenden Beschreibung eines tristen Büros: graue Wände, dunkler Teppich. Guter Einstieg, denn wenn ich mich hier (also in dem Büro, in dem ich gerade sitze) so umschaue, dann sehe ich: graue Wände, graue Regalböden, grauer Schrank, graue Stühle, giftgrüner Teppich und dazu eine lila Tür. Der Blick nach draußen: grau, nein halt, silber heißt es glamouröserweise offiziell. Unsere kleine Pflanze, der asiatisch-orientierte Wandbehang, das Teewägelchen, die sonnengelben Bücher auf dem Schreibtisch und die orangenen Sonnenblenden können da nur bedingt Gegenimpulse liefern.

Aber Abhilfe kann natürlich geschaffen werden. Neben den klassischen Tipps Grünzeug, Düfte und ergonomische Möblierung findet sich in genanntem Artikel, ebenso klassischerweise, ein Punkt zur Ordnung. Ordnung ist das halbe Leben. Heißt es. Und jetzt weiß ich auch, warum. Denn abgesehen von lästigen Ausgrabungsarbeiten "arbeitet es sich an einem aufgeräumten Arbeitsplatz performanter." Juchhuuu! Da bin ich doch sogleich geneigt, eine Choreographie des Ordnunghaltens zu entwerfen. Ich könnte mir für jeden Griff zum Ordner einen Tanzschritt einfallen lassen. Der Gang zum Drucker bekommt eine Drehung, der zum Büroschrank einen salto mortale. Vielleicht kann ich den PC sogar dazu überreden, von selbst hochzufahren und alle nötigen Programme zu starten, wenn ich morgens ein Gedicht rezitiere.

Nachdem ich meinen Arbeitsalltag nun performant ausgestaltet habe, darf die persönliche Bindung nicht fehlen. Auch hier wieder Bekanntes à la Familienfoto und individuellem Bildschirmhintergrund. Neu hingegen der Tipp für Menschen, die nicht immer am selben Schreibtisch sitzen: "Nutzen Sie Ihren Caddie..." Wer hier sofort an Golfer und ihre menschlichen wie elektronischen Helfer denkt, wird wohl erstmal neidisch. Bei genauerem Hinsehen ist dieser Tipp geradezu hirnrissig. Denn wer hat bitte schön Lust, mit seinem PC-Abstellwägelchen auf Rollen permanent durchs Büro zu heizen, immer wieder Bildschrim, Drucker, Tastatur und Maus neu anzuschließen, um dann doch nur auf die Dateien auf dem Server zuzugreifen. Aber gut, wollen wir dem Autor dieser nützlichen Tipps einen nutzlosen Ausreißer gönnen.

Ich persönlich probier mich jetzt wieder in der performance-Schiene. Vielleicht fährt sich ja mein Rechner vor Schreck von alleine runter, wenn ich anfange zu singen...

der winter, der winter

Der Winter: ein altgermanischer Begriff, der sich aus "wintar = feucht" herleitet und uns 89 astronomische Tage kalt-fröhlichen Spaß bereitet. Oder auch nicht.
In Berlinischen Breitengraden ist der Winter - gemäß seines Ursprungs und also sehr traditionell - meist eine feuchte bzw. feucht-kalte, seltenst hingegen eine kalt-fröhliche Angelegenheit. Das macht nur sehr selten, eher am Anfang der Winterzeit Spaß. Da ist alles noch neu. Es ist ein erhabenes Gefühl, am späten Nachmittag durch die von allerlei Kunstbeleuchtung erhellte Stadt zu laufen und zu wissen, wenn ich nach Hause komme, ist noch genug Zeit, etwas Warmes zu kochen, bis der Abendfilm beginnt. Es bereitet Freude, die eingesommerten, kuschlig-warmen Pullover wieder aus dem Schrank zu holen und bei Bedarf einen herzzerreißend zu einem selbst passenden, neuen Mantel zu erstehen (zu dem dann die Mitbewohnerin sagen wird: [lach] Weißt du was? Als ich den sah, wusste ich, du würdest ihn kaufen!).
Doch oh je! Bald ist es vorbei mit der Freude an der kalten Jahreszeit. Der Regen verbündet sich mit dem eisigen Wind, ohne dabei zu Schnee zu werden und mit zunehmendem Anteil dunkler Stunden am Gesamttag sinkt die Freude am allabendlichen Geglitzer der Metropole. So langsam kehren die Erinnerungen an die vergangenen Jahre zurück. Der Gedanke an die berühmt-berüchtigte Winterdepression gelangt an die Oberfläche des Bewusstseins. Sätze à la "Ich geh im Dunkeln aus'm Haus und komm im Dunkeln wieder heim." hört man mittlerweile 3x pro Tag und nicht mehr nur von ewigen Miesmachern (wobei eigentlich nur Menschen diesen Satz sagen dürfen, die in konsequent ohne Fenster eingebauten Räumen arbeiten, wie dies bspw. bei Archiven oder Einkaufszentren, oh sorry, malls der Fall ist). Der Anteil der Jackenanbehalter in Seminaren steigt rapide an. Es passiert, dass an einem Montag, der üblicherweise an meinem Arbeitsplatz recht ruhig und entspannt beginnt, alle alle alle mit schlechter Laune ins Büro kommen. Weihnachten tut dann noch sein Übriges.
Was bleibt, ist die Hoffnung auf den Schnee, der manchmal im Januar oder Februar fällt. Was bleibt, ist die Freude auf den Frühling mit all seinen Düften, die sich sogar in Berlin kurzzeitig durchsetzen können. Was bleibt, ist das Wissen:

"summer is an attitude, not a season"


2006-12-19

geht´s uns gut?

fragte der Herr Grau vor nicht allzu langer Zeit. Gute Frage!

Das Jahresende ist offenbar keine gute Zeit, Dinge in Angriff zu nehmen. Mein alter Chef hatte schon Recht, wenn er immer sagte: "Lasst uns mal in Ruhe das Jahr zu Ende bringen. Alles andere kommt dann im Januar." Meine neue Kollegin in den Staaten hat den Versuch gestartet, bei ihrem Telefonanbieter eine Umstellung der DSL-Konfiguration vorzunehmen. Der Versuch ist mittlerweile auch geglückte Realität - nach 1 Woche Funkstille. Keine sonderlich schöne Zeit, wenn die Kunden derweil mit den Füßen trampeln und elektronische Post meine einzige Kontaktmöglichkeit zu ihr ist. Ich hab ihr jetzt erstmal von meinen Geschichten mit der Deutschen Telekom erzählt.
Schonmal 3 Stunden inna Warteschleife gesteckt? Mein alter Kollege hat sich das mal gegeben. Bis dato hatte er einfach immer wieder aufgelegt und es später erneut probiert. Bis er eines Tages Zeit hatte und wartete, und wartete, und wartete. Erstaunlich, wie viele Angebote man in 3 Stunden verfassen kann... Unsere Vermutung damals war ja die, dass Siemens seinem großen Bruder die TK-Anlage nicht sonderlich gut programmiert hat und mein Kollege kurzzeitig (oder auch etwas länger) im Nirvana der Telefondrähte verschwunden ist. Zum Glück is' er wieder aufgetaucht. Und der Kunde hat seinen Anschluss dann auch irgendwann bekommen.

gone moonwalking

2006-12-12

Ein Abend mit Olli Schulz

und was war´s wieder schön, und großartig, und toll, und überhaupt ganz groß.

Ich durfte ja bereits im Oktober den "Linernotes und anderem Quatsch" beiwohnen im Festsaal Kreuzberg, dem Juwel am Kotti (wie die Betreiber den Laden exklusiv für den Webauftritt in der Suchmaschine des Vertrauens bezeichnen). Kleine audiovisuelle Eindrücke gibt´s im Archiv des Visions E-Papers, Ausgaben 3 bis 5.

Im Oktober war´s ein Mann und seine Gitarre, unterlegt mit erheiternden Beigaben. Auf der großen Tour zum neuen Album hieß es dann jetzt "shake it, baby"... Himmel, was haben die Jungs gerockt!
Und der Herr Schulz hat gar nicht so viel erzählt. Da hatte ich zu anfang glatt die Befürchtung, meine entzückende Begleitung würde von meiner vollmundigen Ankündigung, das Gesamtkunstwerk "Olli Schulz & der Hund Marie" zu erleben, rein gar nichts haben.
Doch weit gefehlt. Das Comeback von Bibi McBenson muss doch noch ein bisschen warten, aber dafür hat Ricky Schulz das Licht der Welt erblickt. Gab wohl zu viel Bohlen in den Medien der letzten Monate.

Ein paar Fotos von Sonntag hab ich beim affnbaer (mit Datum 11. Dezember 06) gefunden. Mit dabei der Tresentrip. Irgendwie nahm´s seinen Anfang, ja genau die Monitore fielen aus, weil so´n Depp sein Bier übers Mischpult hat kippen lassen. Alkoholmissbrauch nennt das der Volksmund! Na auf jeden Fall: Wollte der Schulz nu erstmal unplugged weitermachen. Schreit einer "Sing auf´n Tresen". Sagt der Schulz "Soll ich? Mach ich!" Publikum johlt. Sagt der Schulz "Alles klar. Lasst mich mal durch." Stellt sich auf´n Tresen und singt "Bettmensch". Mein Begleiter hat davon möglicherweise nicht soviel gesehen, musste sich so sehr krümmen vor Lachen, kannte ja den Text noch gar nicht... ;-)

`Ne Einlage mit Kumpel Walter Schreifels gab´s ebenfalls. Bin ja mal gespannt, was da an musikalischen Kollaborationen an die breite Öffentlichkeit gelangt.

Kein schöneres Ende hätte es geben können, denn mit dem Moment und dem Song durch die Nacht.

2006-12-11

Die Generation P

Derzeit sind sie in aller Munde: die Praktikanten. Fast bin ich geneigt zu fragen, ob es sich denn hierbei um ein neues Berufsbild handelt. Doch Scherz beiseite. Die derzeit laufende Diskussion um die unsichere und - marxistisch gesprochen - ausbeuterische Lage der Praktikanten ist nur die Spitze eines Eisberges, in der ganz grundlegend die Definition der Arbeitsanforderungen reformuliert wird.
In Zeiten, in denen sich viele Chefmanager dem Diktat des "Sparen, sparen, sparen" unterwerfen, wird die menschliche Arbeitskraft wieder zur Leistungsmaschine degradiert und der einstmals positiv besetzte Begriff der Human Resource auf den zweiten Teil der Quelle reduziert. Als ob es irgendwo auf dieser Welt eine unerschöpfliche Quelle gäbe.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in den USA einen sog. Wissenschaftler, der sich mit der Optimierung von Produktionsabläufen unter dem Motto des Scientific Managment befasste: Frederick W. Taylor. Das von ihm entworfene Konzept, welches als Taylorismus in die Welt ging, sah im Kern eine bis ins Kleinste vorgenommene Teilung der Arbeitsschritte mit dem Ziel der vollkommenen Routine vor. Für die praktische Anwendung hat Taylor den Fabrikbesitzern überdies ein Experiment vorgeführt, welches optimale Bewegungsabläufe feststellen sollte. Einige Arbeiter wurden herangenommen und an ihnen die Belastbarkeit getestet. Die Ergebnisse wurden sodann als Vorgaben für alle Arbeiter proklamiert. Problem: Taylor nahm hierfür die körperlich stärksten Arbeiter. (Einen guten Überblick hierzu geben Kieser und Ebers in ihrem Band "Organisationstheorien")
Taylors Ansatz erlebte nur einen kurzen Siegeszug in der Wirtschaft: Henry Ford hat bei der Produktion des T-Modells dieses Prinzip der Arbeitsorganisation angewandt, was als Fordismus in die Geschichtsbücher der BWL und Soziologie einging. (Siehe auch hierzu Kieser/ Ebers.) Nach massiven Protesten seitens der Arbeiter wurde die Personalplanung durch die Human-Relations-Bewegung (Wikipedia bietet leider nur sehr wenig hierzu) abgelöst.

Derzeit erlebt der Taylor´sche Ansatz bei der Planung der Arbeitsziele nun in anderer Form ein Comeback. Die seit den 80ern erstarkende Werbewirtschaft und all die Agenturen rund um
die Neuen Medien sind Vertreter. Call Center sind fast schon ein Inbegriff bei der Benennung unverhältnismäßiger Arbeitsplatzorganisation. Doch auch bei Telekommunikationsunternehmen, Verlagen, Immobilienunternehmen, Eventagenturen oder Unternehmensberatungen findet sich eine neue Qualität der Definition dessen, was ein Angestellter für "sein" Unterehmen leisten soll. Mit Ausnahme öffentlich-rechtlicher Einrichtungen scheint es mittlerweile in jeder Branche die schwarzen Schafe zu geben, die die Anforderungen an ihre Mitarbeiter in absurde Dimensionen treibt. Gemeint sind
ganz allgemein die einer Stelle zugeordneten Verantwortlichkeiten.
Auszubildende sollen vor Ihrer Ausbildung ein sechsmonatiges Praktikum absolvieren und werden bereits zu diesem Zeitpunkt mit Aufgaben betraut, die einem Projektassistenten oder gar Projektleiter zustehen. Sekretärinnen werden halbe Fondsmanager und müssen nach "internen Umstrukturierungen" zu viert dieselbe Menge an Aufgaben abarbeiten, die vorher von 7-8 Kräften bearbeitet wurden. Mitarbeiter im Outbound und Promo-Leute werden fast nur noch nach erfolgreichen Abschlüssen bezahlt. Technische Außendienstmitarbeiter sollen ihre Aufträge am Besten gleich selbst an Land ziehen und im Nachhinein auch selbst abrechnen.

All diesen Erfahrungen aus meinem privaten Umfeld ist die schleichende und manchmal sehr subtil arbeitende Übertragung der unternehmerischen Verantwortung und des unternehmerischen Risikos von oben nach unten gemein. Sicher hat jeder Mitarbeiter für die übertragenen Aufgaben die Verantwortung der Erfüllung dieser Aufgaben selbst Sorge zu tragen. Ein Teil der oben geschilderten Situationen ist auch in erster Linie bzw. an der Oberfläche der schwachen Konjunktur zuzuschreiben. Doch mir scheint, der überall benannte Wunsch nach erfüllender, selbstbestimmter Arbeit und einem Lebenskonzept, das Selbstverwirklichung zulässt, trifft immer mehr auch diejenigen, die entweder aus gutem Grund 'kleine' Angestellte sind oder diejenigen, die auf Grund ihres jungen Lebens noch gar nicht dazu in der Lage sind, über Wohl und Wehe ganzer Projekte zu entscheiden - samt dem finanziellen Risiko, das bei einer Unternehmung immer mit gegeben ist. Dummerweise fehlt die Vergütung für das - meist implizit - zu tragende Risiko und also für hohe Leistungen, die bei Taylor ja immerhin vorgesehen war. Stellt sich die Frage, wie lange es gut gehen kann, dass die in der Wirtschaftswelt am Anfang stehenden bzw. die in der Unternehmenshierarchie Untenstehenden Anforderungen gestellt bekommen, die bisher an entsprechend Ausgebildete (Menschen, die häufig über viele Jahre an ihren Aufgaben wachsen konnten) übertragen wurden.

Die Konsequenz aus der Übertragung der Verantwortung wäre eigentlich, dass jeder Einzelne von uns seine eigene Unternehmung startet. Oder seinen Lebensentwurf von vornherein als Patchwork anlegt und von Projekt zu Projekt hüpft. Oder als Prosumer seinen Lebensinhalt findet (näheres bei Lobo und Friebe in "Wir nennen es Arbeit", S. 215f. und S. 275ff. bzw. in der Ecke der Virtuellen Mikroökonomie). Dann tragen wir alle ganz offen das unternehmerische Risiko für das, was wir so tagtäglich zu Stande bringen. Stellt sich wiederum nur die Frage, was dann all diejenigen machen, die das Selbständigkeits-Gen nicht in sich tragen.

2006-12-10

des Fernsehens Freuden

Ich lebe ja seit Jahren ohne eines der wichtigsten Medien unserer heutigen Zeit. Nicht gänzlich ohne, versteht sich. Bei Freunden bin ich wie ein kleines Kind, das fast ins Gerät reinkriecht, weil alles so spannend, bunt und blinkend ist.

Ich erinnere mich auch noch gut an die Zeiten, als ich am heimischen Apparat wöchentlich den Geschichten von Außerirdischen lauschte oder mit Menschen im Krankenhaus 
mitleidete. Und wie hab ich mich geärgert, wenn die letzte Folge einer Staffel mit einem nervenzerreißenden Cliffhanger endete. Natürlich mit den dazu passenden Flüchen in Richtung Produzenten, weil mensch jetzt ein halbes Jahr auf die Auflösung warten musste. Eine endlos lange Zeit, wenn gerade die letzten Bilder über den Bildschirm flackern.

Heutzutage sieht das alles offenbar etwas anders aus. Zumindest was deutsche Ausstrahlungen der Casting-Kultur angeht. 
Da geh ich doch lieber in die Videothek und leih mir alle Staffeln von "Akte 
X" auf einmal aus.

2006-12-08

was macht ein Blogger in seiner Freizeit?

Er setzt sich vor den Bildschirm, holt sich eine Tüte Chips und ein Bier... und wartet ab. Z.B. was die anderen vom Kollektiv so machen.

Im virtuellen Wohnzimmer des Herrn Niggemeier gibt es gerade das Pendant zum StudiVZ-Bashing (sorry, soviele Wörter hat dieser Satz nicht, wie hier Links eingebaut werden könnten): das Herr-Dr.-Huber-bashing.

Mal gucken, was es morgen gibt.

2006-12-05

Vitamin B

Die Bibel im Angebot - da ist für jeden was dabei. Diversifizierung jetzt auch in Ihrer Gemeinde!

Wer gleich im Netz beten möchte, kann das auch tun. Alternativen gibt´s ebenfalls. Eine Linkliste darf natürlich auch nicht fehlen.


Wünsche Freude auf dem Weg ins Heil (wenn schon der Apfel nichts mehr ausrichten kann...wo doch immer alle sagen, er hätte so viele Vitamine, ich versteh das gar nicht)

2006-12-02

die gedanken, die gedanken

kürzlich las ich eine Email, die u.a. folgendes enthielt:

"[...] is dir übrigens mal aufgefallen, dass in grossartig das wort artig drinnesteckt????? was bedeutet das? dass nur grosse menschen artig sind? oder sein müssen? dann wärst du ja klar im vorteil...[meine biologische schutzhülle hat die 1,60 bisher nicht überschritten] wenn es allerdings auf innere grösse ankommt dann eben doch auch nich... aber würde es dann nich inneregrossartig heissen????? aber das klingt komisch..... hmmmmm... nicht leicht, nicht leicht.... man sollte den dingen mal aufn grund gehen.... noch son ausdruck.... oder er vor taucheranzügen erfunden wurde?????? könnte kalt werden... und nass... und luftarm.....
und ob arm was mit Arm zu tun hat? ob es davon kommt, dass menschen ohne Arm arm sind? aber was is mit menschen ohne Bein? sind die dann bein? oder kommt daher pein???? Aber vielleicht sind menschen ohne Arm arm, weil sie keine Hände haben um Geld festzuhalten? Oder keine Arme um freunde zu umarmen??? Dann wären sie wirklich arm.... is das allles kompliziert????
Haben wir hier asbest???????
mit sicherheit.... obwohl ein leben mit asbest ja eher unsicher wär. [...]"

Passend dazu möchte ich einem weiteren kleinen Werkzeug zu größerer Bekanntheit verhelfen.
Meine Damen und Herren, der Assoziations-Blaster.

2006-11-28

Die Lebensqualität in der Handtasche

Neulich lag ein Heftchen Werbung auf unserem Küchentisch. Ins Auge sprang es mir mit den Worten "Nie wieder kalte Füße!" und den Bildern blümchenbestickter Holzpantoletten
und "Traumschuhe für Prinzessinnen - Hauspantoffeln im wunderschönen traumhaften Design" für schlappe 45,-. Waldgrün mit pinkfarbenen Rosenornamenten. Und das in einem Naturwarengeschäft...
Ein paar Seiten vorher gab es eines der vielen Produkte, die die Kategorie "der besondere Artikel" erlangt haben (es gibt auch "das besondere Buch" und "den besonderen Sitzkomfort").
"Handgefertigte, wertvolle Notizbücher sind ein Stück Lebensqualität" war dort zu lesen. Ich musste sogleich an die mittlerweile überbordende Auswahl der Moleskine-Produkte denken. Den reißenden Absatz, den diese nicht mehr mit Maulwurfshaut überzogenen Skizzen- und Notizbücher u.a. im akademischen Kreis finden.
Dies ist einer der (Marketing-)Momente im Leben, in denen die Verknüpfung von materialem Produkt und seelischem Glück, kurz das Konsumglück, offen an die Oberfläche tritt. Wo das Andocken intersubjektiv gültiger Konnotationen an einen Begriff sodann in der Schrift eine bleibende Relation erfährt und der Diskurs von dort aus weiter seine Kreise zieht,-

2006-11-26

in einer anderen Welt...

...bin ich unter anderem auch eine frau k. Meine Chefin hat mal damit angefangen, als ich - Überraschung, Überraschung - ein Kafka-Seminar besuchte. Und jetzt begegne ich einer Frau K. in dieser Welt. schön schön das.

Ein Abend mit Muse

Der gestrige Abend brachte mein ganz persönliches Konzert-Highlight des Jahres. Muse bespielten die Arena samt Berliner Publikum.

Und was waren sie wieder toll!

Eine Band, die es auf unfassbare Weise schafft, ihre Hörer zwischen Gänsehaut und "Schüttel dein Haar, Baby" hin und her zu werfen.

Womit eigentlich auch schon alles gesagt ist, was es zu sagen gibt. Ich geh jetzt wieder in Erinnerungen schwelgen.

2006-11-25

wer ist eigentlich dieser...

...Zynismus?

Offenbar in der deutschen Sprache etwas Männliches. Aber das soll nun nicht ablenken.

Es gibt Momente im Leben, da komme ich gewaltig ins Grübeln. Etwa, wenn die einen Menschen sich über die anderen Menschen lustig machen, weil die anderen Menschen mit einer - aus der Sicht der einen Menschen - unfassbaren Naivität durchs Leben gehen. Sich unbeschwert über Dinge freuen können und eine kindliche Neugierde zeigen, die die einen Menschen bestenfalls mit einem Kopfschütteln und einem Stirnrunzeln quittieren.
Nun ist es nichts Neues zu sagen, die einen Menschen sind höchstwahrscheinlich einfach nur neidisch. Vielleicht, weil Ihnen das Leben nicht sonderlich gut mitgespielt hat. Vielleicht, weil bereits im Elternhaus die Freude am Glück anderer Menschen nur mit einem abfälligen Spruch kommentiert wurde.

Doch zurück zur Ausgangsfrage. Meine persönliche Definition eines Zynikers ist die, dass ein Menschen seine Ideale verloren hat, sprich den Glauben verloren hat, in dieser Welt sei noch etwas Gutes zu erreichen.
Im seltensten Fall begegne ich einem Zyniker, dem all sein Hab und Gut sowie sämtliche Freunde und Familienangehörige weggenommen wurden (aus welchem Grund auch immer). Nein, viel häufiger begegne ich Zynikern, die ein recht prosperierendes Leben führen. Der familiäre Rückhalt ist bei Bedarf sofort zur Stelle. Der Kühlschrank platzt vielleicht nicht aus allen Nähten, aber das Geld reicht immer für ein belegtes Baguette oder einen Döner. Freunde sind ebenfalls nicht weit weg. Die Wohnung ist groß genug, selten zu teuer und die Heizung funktioniert auch.
Was also bewegt uns (denn ich möchte mich keinesfalls aus der Riege der Gefährdeten ausnehmen), was bewegt uns also dazu zu sagen: "Ach, da lässt sich eh nichts mehr drehen" oder "Ha, guck mal, die Hippiekinder da drüben, wie niedlich..." Oder wie oft kommt es vor, dass in der Universität in einem der höheren Semester ein Kommilitone im Seminar freudig lächelnd sagt: "Eine neue Erkenntnis. Danke, das hab ich so noch nie gesehen." Zumindest ich erlebe so etwas eher selten. Eher ertappe ich mich dabei, wie ich im Laufe einer Diskussion einen Geistesblitz habe, mich melde und dann in völliger Abgeklärtheit, mit allen Wassern gewaschen, einen Sachverhalt darlege, als ob dies das Selbstverständlichste der Welt wäre.
Ein anderer Fall: Auf der Straße, in der Bahn, eigentlich überall begegnen einem Menschengruppen, die lachend mal grade nicht über die aktuelle Lage im Libanon reden. Häufig genug sende und empfange ich in diesen Situationen Blicke, gepaart mit hochgezogenen Augenbrauen und einem süffisanten Lächeln. In diesem Moment sind wir froh, nicht so zu sein, wie diese Menschen. Schade eigentlich. Ein bisschen mehr Lachen und sich dabei am eigenen Freundeskreis erfreuen und diesen zelebrieren sowie ein bisschen weniger auf die Welt um uns herum schielen, mag da helfen.

Abschließen möchte ich mit den Worten des Herrn Olli Schulz:
"Man sollte sich seine Kraft nie über das Scheitern anderer Menschen holen."

2006-11-19


„sag ihr, dass ich sie liebe für die Zeit, die mir bleibt“

Im Hintergrund begann eine Gitarre mit ihrem ersten Akkord, entspann sich zu einer Melodie. Eine Stimme setzte ein. Das Kreischen eines Milchaufschäumers gesellte sich dazu.
Er schaute sie an. Sah nur die gesenkten Augenlider, den Blick auf die Hände gerichtet. Ein Finger, der langsam einen Knöchel rieb. Der Brustkorb, der sich mit ruckenden Bewegungen hob und wieder in sich zusammensackte. Sein Brustkorb, der sich gar nicht bewegte.

Im Hof war das Einsetzen zu lauter Musik zu hören. Schnell wurde sie leiser gedreht. Sie hob ihren Blick, sah ihn jetzt an, versuchte ihm in in die Augen zu schauen. Ihr Blick glitt nach draußen. „Ich kann nicht mehr. Ich dachte, es wöre okay, wenn ich einfach darauf vertraue. Du liebst mich, ich liebe dich. Du lebst dein Leben, ich lebe mein Leben.“
„Es reicht nicht. Ich kann das nicht. Ich brauch jemand…“ Hilflos hob sie die Arme. „Ich weiß nicht, jemand, der da ist, in dieser Welt lebt… Nein verzeih, das war fies. Was ich meine … ich kann nicht so nah bei dir sein, wenn ich nicht verstehe, was in dir vorgeht.“
Sein Brustkorb zog sich zusammen. Langsam ahnte sein Hirn, was gerade geschah. Sie würde das hier durchziehen. Kein Zurück mehr. Sie sprach leise, musste Luft holen, sprach noch leiser, aber ich wusste, sie wusste, was sie kann und was nicht. Und mit mir zusammen sein konnte sie nicht.
Sie stand auf, ein Finger, der einen Knöchel rieb, nahm ihre Tasche, drehte sich um. Dann hörte er ein paar Schuhe auf dem Asphalt, leiser werdend.

„du wirst sehen, du wirst stehen. in der sonne“


2006-11-18

die welt hat mich

...welche auch immer

2006-03-12

last.fm radio